„Erwachsen werden – Verantwortung empfangen“
von Pfarrer Mirco Quint
In Japan feiern junge Menschen im Januar den Seijin no Hi, den „Tag des Erwachsenwerdens“. Städte und Gemeinden laden alle ein, die im vergangenen Jahr volljährig geworden sind. Viele tragen festliche Kimonos oder elegante Anzüge, hören ermutigende Worte und feiern gemeinsam mit Familie und Freunden. Es ist ein Tag, der sagt: Du bist jetzt Teil der Erwachsenenwelt. Du darfst mehr – und du trägst mehr Verantwortung.
Für viele von uns, die nicht in Japan aufgewachsen sind, wirkt dieser Feiertag wie eine Mischung aus Initiation, Fest und Segensfeier. Doch seine Botschaft ist universell: Jeder Mensch hat einen Moment, in dem er spürt, dass er nicht mehr Kind ist. Ein Moment, in dem das Leben größer wird – und wir mit ihm.
Auch unser christlicher Glaube kennt solche Übergänge. In der Firmung empfangen junge Menschen die Kraft des Heiligen Geistes, um Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für andere, für die Welt. Paulus schreibt: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7). Erwachsenwerden heißt nicht, alles allein schaffen zu müssen. Es heißt, mit Gottes Geist zu leben.
Der Coming of Age Day lädt uns ein, über unsere eigenen Übergänge nachzudenken: Wann habe ich gespürt, dass ich Verantwortung übernehmen muss? Wo bin ich gewachsen – vielleicht auch durch Herausforderungen? Und wo brauche ich heute neu Gottes Geist, um mutig und liebevoll zu handeln?
Vielleicht nehmen wir uns in diesen Tagen einen Moment, um für die jungen Menschen in unseren Gemeinden zu beten – in Asien, Australien und überall dort, wo deutschsprachige Gemeinschaften leben. Mögen sie ihren Weg finden, getragen von Gott, begleitet von uns, gestärkt durch den Geist, der ihnen Freiheit und Mut schenkt.

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