"Die Welt vor unserer Tür" - Overtourism in Japan

"Die Welt vor unserer Tür" - Overtourism in Japan

von Pfarrer Mirco Quint

 

42,7 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr nach Japan gereist. Ein Rekord. Ein Strom von Gesichtern, Sprachen, Erwartungen, Kameras, Hoffnungen. Manche suchen Schönheit, andere Abenteuer, wieder andere einfach eine Pause vom Alltag.

 

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Menschen reisen, weil in ihnen eine Sehnsucht lebt. Eine Sehnsucht nach dem Anderen, nach dem Neuen, nach dem, was größer ist als der eigene Horizont.

 

Diese Bewegung der Herzen erinnert an eine tiefe biblische Wahrheit: Der Mensch ist ein Suchender.

Abraham bricht auf. Das Volk Israel zieht durch die Wüste. Die Jünger verlassen ihre Netze. Und immer wieder heißt es: „Steh auf und geh.“

 

Reisen ist nicht nur ein touristischer Akt. Es ist ein spirituelles Bild. Es zeigt: Wir sind unterwegs. Wir sind nicht fertig. Wir sind nicht angekommen. Wir sind Menschen auf dem Weg.

 

Gleichzeitig erleben wir in Japan die Kehrseite: überfüllte Straßen, überlastete Orte, Menschen, die sich nicht gesehen fühlen. Auch das ist ein geistliches Bild. Denn wo viele Menschen zusammenkommen, braucht es Achtsamkeit, Rücksicht, Respekt – jene Tugenden, die Jesus „Liebe“ nennt.

 

Vielleicht lädt uns dieser Rekordtourismus zu einer einfachen Frage ein: Wie begegnen wir den Menschen, die an unsere Tür klopfen – ob als Gäste, Nachbarn oder Fremde?

 

Die Bibel erinnert uns daran, dass Gott selbst im Fremden zu uns kommt. Nicht als Belastung, sondern als Möglichkeit. Nicht als Störung, sondern als Begegnung. Nicht als Masse, sondern als Mensch.

 

So kann dieser Rekord ein Impuls sein: dass wir unsere Türen nicht nur öffnen, sondern auch unsere Herzen. Dass wir nicht nur Orte schützen, sondern auch Beziehungen gestalten. Und dass wir in jedem Menschen, der unseren Weg kreuzt, ein Stück jener Sehnsucht erkennen, die uns alle verbindet. Denn am Ende sind wir alle Reisende. Auf der Suche nach Sinn, nach Frieden, nach Heimat – und nach Gott.

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Kommentare: 1
  • #1

    Enzio Wetzel (Donnerstag, 12 Februar 2026 09:53)

    Ich bin mein ganzes Leben lang unterwegs gewesen, also zumindest das berufliche Leben, die tun mir schwer, Leute zu verstehen, die immer an derselben Stelle bleiben wollen. Dabei ist vielleicht das in sich gehen mindestens so wichtig wie das rausgehen.