„Zwischen Licht und Schatten“ - Shunbun no Hi
von Pfarrer Mirco Quint
In Japan markiert die Frühlings-Tagundnachtgleiche, Shunbun no Hi, einen besonderen Moment im Jahreslauf. Tag und Nacht sind gleich lang – ein Augenblick der Balance. Traditionell besuchen viele Familien in dieser Zeit die Gräber ihrer Vorfahren. Es ist ein stilles Fest der Erinnerung, geprägt von buddhistischen Wurzeln: Man betet für die Verstorbenen, reinigt die Grabstätten und verbindet sich mit der eigenen Geschichte.
Für uns Christen ist dieser Tag ein berührendes Zeichen. Auch wir kennen die Sehnsucht nach Balance – zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem, was uns belastet, und dem, was uns trägt. Und auch wir erinnern uns an unsere Verstorbenen, besonders in der Eucharistie, im Gebet und an Allerseelen.
Die Tagundnachtgleiche lädt uns ein, das Gleichgewicht unseres Lebens neu zu betrachten. Wo ist es hell geworden? Wo liegen Schatten? Und wo dürfen wir Gott bitten, uns neu auszurichten?
Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). In ihm finden wir Orientierung – nicht nur an Tagen, an denen alles im Gleichgewicht scheint, sondern gerade dann, wenn wir uns innerlich unruhig fühlen.
So wie die Japaner an Shunbun no Hi ihre Wurzeln ehren, dürfen auch wir dankbar auf jene schauen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Ihre Geschichten, ihre Liebe und ihr Glaube tragen uns weiter.
Möge dieser Tag uns stärken, das Licht Gottes neu zu suchen – und es mutig in unsere Welt zu tragen.

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