Jugendstudie: Japans junge Generation blickt so pessimistisch in die Zukunft wie nirgends sonst

Jugendstudie: Japans junge Generation blickt so pessimistisch in die Zukunft wie nirgends sonst

von Pfarrer Mirco Quint

 

Eine neue internationale Vergleichsstudie der Nippon Foundation zeigt ein bemerkenswert düsteres Bild: Kein anderes untersuchtes Land weist so geringe Zukunftserwartungen unter Jugendlichen auf wie Japan.

Nur 16 % der 17‑ bis 19‑Jährigen glauben, dass sich ihr Land positiv entwickeln wird – der niedrigste Wert im gesamten Vergleich (u. a. USA, Großbritannien, China, Südkorea, Indien).

Auch beim Blick auf die persönliche Lebensgestaltung zeigt sich eine deutliche Unsicherheit: Nur 62 % der Jugendlichen in Japan geben an, ein konkretes Lebensziel zu haben. Zudem stimmen sie Aussagen wie „Ich habe etwas, in das ich mich vertiefen kann“ oder „Ich werde von anderen gebraucht“ seltener zu als Gleichaltrige in anderen Ländern. Die Studie verweist damit auf ein verbreitetes Gefühl von Orientierungslosigkeit, Einsamkeit und fehlender Selbstwirksamkeit.

Zum Vergleich: In Deutschland zeichnet die aktuelle Shell‑Jugendstudie ein deutlich anderes Bild. Trotz gesellschaftlicher Krisen blicken rund zwei Drittel der Jugendlichen optimistisch auf ihre persönliche Zukunft. Zwar herrscht Skepsis gegenüber der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, doch das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit bleibt hoch.


Die Gegenüberstellung macht sichtbar, wie unterschiedlich junge Menschen weltweit auf ihre Zukunft schauen – und wie stark gesellschaftliche Strukturen, Arbeitsmarktmodelle und kulturelle Erwartungen diese Wahrnehmung prägen.

 

Welche Rolle Kirche und Religion in dieser Situation spielen können

Vor dem Hintergrund dieser Befunde stellt sich die Frage, welchen Beitrag Kirche und Religion leisten können, um junge Menschen zu stärken – gerade dort, wo Zukunftsangst, Orientierungslosigkeit und fehlende Zugehörigkeit dominieren.

Kirche kann hier auf mehreren Ebenen wirksam werden:

  • Beziehungsräume schaffen: Orte, an denen junge Menschen ohne Leistungsdruck willkommen sind und stabile, verlässliche Beziehungen erleben.
  • Zugehörigkeit ermöglichen: Gemeinschaften, in denen man sich gebraucht fühlt und Generationen miteinander in Kontakt kommen.
  • Sinnorientierung anbieten: Eine Sprache und Praxis, die nicht auf Karriere oder Zieloptimierung reduziert ist, sondern auf Fragen nach Identität, Verantwortung und gelingendem Leben.
  • Rituale und Struktur geben: Wiederkehrende Formen, die Halt bieten und Übergänge im Leben begleiten.
  • Selbstwirksamkeit fördern: Möglichkeiten, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und zu erleben, dass das eigene Tun Bedeutung hat.
  • Globale Perspektiven öffnen: Die Erfahrung, Teil einer weltweiten Gemeinschaft zu sein, die über nationale Herausforderungen hinausblickt.

Damit kann Kirche – unabhängig von Größe oder gesellschaftlicher Stellung – ein Gegenbild zu einer Kultur bieten, in der viele Jugendliche sich allein gelassen oder überfordert fühlen. Sie ersetzt keine politischen oder wirtschaftlichen Lösungen, kann aber einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Räume schafft, in denen junge Menschen Zukunft wieder als etwas erleben, das mit ihnen zu tun hat.

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Kommentare: 1
  • #1

    Robert (Samstag, 11 April 2026 12:18)

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Um so beklemmender in Zusammenschau mit den derzeitigen Geburtenzahlen. Man wird sich fragen müssen, ob einem hier nicht der zwingende Endpunkt vollständiger Säkularisierung ins Gesicht schaut. Dringlicher noch in Anbetracht der zunehmenden Digitalisierung (Effizienz ohne Emotion). Der Blick, der sich nicht über uns hinaus richtet, geht zunehmend ins Leere.